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Schwebende Annäherungen
Kunstausstellung von Anna Ottmann in der Städtischen Galerie Pappenheim
Trotz einer Publikum abziehenden Großveranstaltung in Pappenheim kamen viele interessierte Besucher zur Vernissage der neuen Kunstausstellung in die Städtisdche Galerie. Für die Gäste hat sich dieser Sonntagvormittag umso mehr gelohnt. Sie erlebten, dass Darstellende Kunst wie die Malerei von Anna Ottmann nicht isoliert gesehen werden darf, sondern dass es ein Zusammenspiel von Musik und Literatur, auch von Schauspiel und Performance bedarf, um uns Kunst heute näher zu bringen. Dieses Zusammenwirken verschiedener Ansätze hat die Vernissage hervorragend geleistet: Zuerst mit dem Grußwort der Dritten Bürgermeisterin Anette Pappler, für die Kunst nicht geschmeidig, sondern widerspenstig sein darf und soll, die sich erfreut gezeigt hat, dass von der Städtischen Galerie Impulse in die Region gehen und dass der Zusammenklang von Bildender Kunst mit anderen Kunstzweigen wie hier bei der Eröffnung untrennbar ist.
Für die Musik als Teil der Kunstdarbietung hat Ilan Scheindling gesorgt, Musiker am Keybord und Maler, mit Stücken von Mel Bonis, einer sicher den Zuhörern vorher völlig unbekannten französischen Komponistin aus der späten Romantik, einfühlsam, melancholisch und dennoch schwungvoll-musikalisch.
Und kunstvoll erfolgte auch die sprachliche Einführung in die Kunstausstellung durch Susanne Niemann, die es verstand, Person und Arbeiten von Anna Ottmann mit wenigen, aber bewusst gesetzten Begriffen zu skizzieren – mit Streicheln, vom Sein der Dinge, ihrer Hündin, von Liebe und Sinnlichkeit in ihren Bildern und den Atem, den man auch als "langen Atem haben" verstehen kann. Ihr Vortrag fand nicht hinter einem Pult statt, sondern sie schritt dabei durch die Räume und rezitierte ein Gedicht der israelischen Lyrikerin Agi Mishol über die Kunst des Schreibens, leicht abgewandelt von ihr in "die Kunst des Malens". Malen heißt demnach, so lange über Papier und Farben zu kauern, bis sich einem die Türe öffnet, die Augen weitet und man spürt, wie die Idee zum Kunstwerk nun vom Himmel schwebt. So sollen auch die Betrachter ihren eigenen Himmel mitbringen und sich in den Kunsthimmel von Anna Ottman hineinströmen lassen.
Nach diesen artifiziellen Reden und Musikstücken konnte man in den Bildern plötzlich andere Ansätze erkennen, es waren jetzt nicht mehr nur schwarze Kringel, die an japanische Graphiken erinnerten, sondern Bilder, bei denen die Künstlerin ihre philosophischen Ansätze durchscheinen ließ - genauso die fast transparent wirkenden größeren Bilder im ersten Raum. Sie öffneten sich nun plötzlich für den Betrachter oder die Betrachterin, je nach persönlichen Erfahrungen mit der Kunst. Die im dritten Raum installierten Tücher mit aufgeklebten und "beschmierten" Drucken waren jetzt mit einem Mal nicht nur weiße Vorhänge, sondern erzählten den Betrachtern von Liebe, vom Sturm und geschlagenen Wunden.
Albrecht Bedal
Freier Eintritt, Städtische Galerie Pappenheim, An der Stadtmühle 1, Zugang von der Klosterstraße über den roten Turm.
Geöffnet jeden Sonn- und Feiertag bis einschließlich 13. September 2026 von 14 bis 17 Uhr.
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